Standard-Lager auf JTL-WMS umstellen: Praxisschritte & Profi-Tipps für Mittelstand

Modernes Lager mit Android-Handheld, Barcode-Scannern und digitalem Lagerlayout, aufgeräumte Regale, mittelständisches Unternehmen, helle Halle

Einleitung: Vom Standard-Lager zur digitalen Lagerverwaltung mit JTL-WMS

Viele Mittelstandshändler stehen vor dem gleichen Problem: Abläufe bremsen sich durch Papier-Kommissionierlisten, händisch gepflegte Excel-Tabellen und ein Lager, das zwar gewachsen ist, aber noch nach klassischen Methoden verwaltet wird. Der Schritt, ein Standard-Lager auf JTL-WMS umstellen zu wollen, ist dann oft die direkte Reaktion auf typische Engpässe: zu viele Fehler in der Kommissionierung, zeitraubende Inventuren, unklare Lagerplätze und kaum Skalierbarkeit. Moderne Lager-Software wie JTL-WMS schafft hier Transparenz, Automatisierung und effiziente Prozesse – und damit einen echten Wettbewerbsvorteil.

Hinweis

Der Wandel lohnt sich: Unsere Erfahrung aus vielen Projekten zeigt, dass Lagerprozesse nach der Einführung von JTL-WMS im Mittelstand deutlich schneller und fehlerärmer ablaufen. Die Bestandsgenauigkeit steigt, Pickrouten werden kürzer und die Schulung neuer Mitarbeiter wird einfacher.

Schritt 1: Standard-Lager auf JTL-WMS umstellen – Hardware und Infrastruktur

Die passende Hardware ist die Grundlage, um ein Standard-Lager auf JTL-WMS umzustellen. Für den idealen Einstieg empfehlen sich moderne Android-Handhelds, die robust, handlich und mit langer Akkulaufzeit ausgestattet sind. Diese Geräte unterstützen die JTL-WMS Mobile App und lassen sich mit Handscannern per Bluetooth oder LAN verbinden. Bewährt haben sich etwa die Zebra TC26, die Honeywell EDA51 sowie das Datalogic Memor 10 – jeweils mit 2D-Scanner und Android Version 9 oder neuer.

Checkliste Hardware für die JTL-WMS-Umstellung:

  • Android-Handheld (mind. 5'' Bildschirm, robust & spritzwassergeschützt)
  • Kompatibler Bluetooth- oder kabelgebundener Scanner
  • WLAN-Abdeckung im ganzen Lager (ggf. mit dedizierten Access Points)
  • Ladestationen für Handhelds und Scanner
Android Handheld und Bluetooth Scanner im Lager mit JTL-WMS Mobile App
Empfohlene Hardware: Robustes Android-Handheld mit JTL-WMS Mobile App und Bluetooth-Scanner im Lagereinsatz.

Die Installation erfolgt über den Google Play Store oder per direktem APK-Download von JTL. Wichtig: Die Verbindung zum JTL-WMS-Server sollte via WLAN (Standard) oder LAN-Dock (bei Netzwerkproblemen) permanent gesichert sein.

Tipp

Bluetooth-Scanner bieten Flexibilität für mobile Anwendungen, sind jedoch im Dauerbetrieb in größeren Lagerszenarien störanfälliger als Handhelds mit integriertem Scanner oder kabelgebundene Verbindungen. Bei großen Lagerflächen empfehlen wir den Einsatz von WLAN-Repeatern oder Mesh-Systemen. Mehr zur individuellen Hardware-Beratung: Hardware-Beratung für Lagerdigitalisierung.

Schritt 2: Standard-Lager auf JTL-WMS umstellen – Lagerlayout digital abbilden

Ein zentrales Element, um ein Standard-Lager auf JTL-WMS umstellen zu können, ist die exakte Nachbildung des realen Lageraufbaus in der Software. Jeder Bereich, jedes Regal und jedes einzelne Fach muss als eigene Lagereinheit im JTL-WMS angelegt werden – mit realen Maßen, Höhen, Breiten und Traglasten, um die spätere automatische Platzverteilung zu ermöglichen.

Digitales Lagerlayout mit Bereichen, Regalen, Maße und Traglasten im JTL-WMS
Das Lagerlayout digital abbilden: Lagerbereiche, Regale und Fächer inkl. Maße und Traglasten exakt in JTL-WMS anlegen.

Hinweis

Tragen Sie nicht nur die Maße und Gewichte der Lagerplätze ein, sondern pflegen Sie diese kritischen Daten zusätzlich im Artikelstamm der JTL-Wawi. Nur so kann JTL-WMS Artikel automatisch optimalen Lagerplätzen zuweisen – etwa schwere Artikel auf untere Regalebenen oder sperrige Waren auf breite Fächer. Diese doppelte Pflege ist die Basis für effiziente Workflows. (Mehr zu JTL-Wawi Integration)

Praxistipp: Zeichnen Sie das komplette Lager grob auf Papier vor und übernehmen Sie Strukturen, Begrenzungen und Besonderheiten ins digitale Layout. Prüfen Sie Plausibilität und Erreichbarkeit aller Plätze – das verhindert spätere Engstellen.

Schritt 3: Etiketten und Wegeführung – So wird Ihr Lager effizient

Produktives Arbeiten beginnt bei der Orientierung im Lager: Jedes Regal, jede Fläche und jeder Bereich benötigt ein eindeutiges, gut sichtbares Etikett – idealerweise als Barcode für direkte Nutzung mit dem Handscanner.

Bewährte Etikettenlösung:

  • Laminierte, wischfeste Barcode-Etiketten für Regalböden, Gänge, Bereiche
  • Farbkodierung für Hauptbereiche (optional)
  • Klare Nummern- und Zeichenstruktur: z.B. R1-B04-F03 (Regal 1, Boden 4, Fach 3)
Barcode-Etiketten an Regalen im Lager für JTL-WMS
Klare Barcodes an jedem Lagerplatz: Grundlage für schnelle Einlagerung, Kommissionierung und Retourenpflege.

Hinweis

Durch die konsequente Barcodierung aller Lagerplätze entfällt die Fehlerquelle „händisch eingegebene Platznummer“. Kommissionierer und Einlagerer finden jeden Platz deutlich schneller – besonders bei Einarbeitung neuer Mitarbeiter. Wichtiger Nebeneffekt: Auch Retouren lassen sich zielsicher zuordnen.

Für die Etikettenherstellung reicht ein handelsüblicher Zebra ZD421-Desktopdrucker (Thermotransfer) mit passenden Etiketten. Layouts können direkt aus JTL-WMS exportiert werden.

Schritt 4: Inventur und Artikelerfassung im laufenden Betrieb

Gerade bei der Umstellung und Erstaufnahme von Lagerbeständen empfiehlt sich die Echtzeit-Inventur mit der JTL-WMS Mobile App. Die Vorgehensweise aus unserer Projekterfahrung:

  1. Gewünschte Regalposition mit Handscanner scannen.
  2. Alle auf dieser Position befindlichen Artikel einzeln scannen (Barcode), jeweils die Menge eingeben.
  3. Position abschließen, nächster Lagerplatz.
  4. Abschluss der Inventur: Jeder Artikel ist einer konkreten Position zugeordnet, der Bestand entspricht dem Ist-Zustand.
Screenshot JTL-WMS Mobile Inventur: Lagerplatz scannen, Artikel zuordnen
JTL-WMS Mobile: Inventur per Lagerplatz – Artikel und Menge werden direkt im Bestand erfasst und zugeordnet.

Tipp

Für einen sauberen Systemwechsel empfiehlt es sich, die Inventur als „Nullstellung“ zu wählen: Erklären Sie Bestände als Ist-Zustand und erfassen Sie alles exakt neu. So werden Altlasten und Fehlbuchungen aus dem alten System ausgeschlossen.

Soll später ein Produkt den Lagerplatz wechseln, kann die Umlagerung unkompliziert über die JTL-WMS Mobile App angestoßen werden: Lagerplatz scannen, Artikel auswählen, neuen Lagerplatz scannen.

Screenshot JTL-WMS Mobile Umlagerung: Artikel auswaehlen
Mobile Umlagerung: Mit wenigen Klicks Artikel auf neuen Lagerplatz verschieben – fehlerarm, schnell, nachvollziehbar.

Schritt 5: Kommissionier- und Versand-Hardware professionell einrichten

Die Digitalisierung endet nicht am Regal: Für das Kommissionieren und den Versand sollte ein moderner Versandtisch samt JTL-Packtisch+ oder Easy Shipping eingerichtet werden. Diese Kombination ermöglicht das automatische Verbuchen von gepackten Aufträgen, das Drucken von Versandetiketten und die Anbindung von Versanddienstleistern.

Bewährte Setup-Elemente:

  • PC mit Touchscreen (oder großes Tablet) am Versandtisch
  • Barcode-Handscanner (USB oder Bluetooth, Cab- oder Zebra-Modell)
  • Etikettendrucker (Thermo, z.B. Zebra GK420d)
  • Direktanbindung an JTL-Packtisch+ / Easy Shipping

Hinweis

Achten Sie darauf, dass alle Versandmitarbeiter individuell in das Zusammenspiel von Kommissionierstation und Versandtisch eingewiesen werden. Auch gute Technik bringt wenig, wenn Bedienfehler die Prozesse ausbremsen. Unsere Empfehlung: Setzen Sie gezielt ein Schulungsmodul für das Personal ein.

Für den Start genügt eine kleine Teststrecke, bevor die Lösung auf das gesamte Lager ausgedehnt wird.

Moderner Versandtisch mit Packtisch+, Scanner, Etikettendrucker
Der professionelle Versandtisch: Zentrale Schnittstelle zwischen Lager und Auslieferung. Ohne Medienbruch, mit direkter Anbindung an JTL-Packtisch+.

Best Practices & häufige Stolperfallen bei der Umstellung

Die rein technische Umsetzung löst nicht alle Herausforderungen. Unsere Erfahrung aus zahlreichen Projekten zeigt folgende typische Fehlerquellen – und wie Sie diese umgehen:

  • Unzureichende Planung der Lagerstruktur: Vermeiden Sie nachträgliche Umbauten, indem Sie das Layout und die Kapazität für mindestens zwei Jahre Wachstum auslegen.
  • Unvollständige oder inkonsistente Stammdaten: Investieren Sie Zeit in die Pflege der Maße und Artikelinformationen – deshalb der Tipp, Maße/Traglasten immer in Artikelstammdaten UND Lagerplätzen pflegen.
  • Fehlende Tests: Führen Sie mit echten Mitarbeitern eine Testphase für Ein- und Auslagerung, Inventur und Versandprozesse durch, bevor das System komplett umschwenkt.
  • Zu knapper Go-Live-Zeitplan: Planen Sie für die echte Umstellung ausreichend Zeit mit Puffern ein – und nehmen Sie Support sowie erfahrene Berater in Anspruch. Mehr unter: JTL-WMS Unterstützung für KMU

Achtung

Viele Projekte scheitern an zu ehrgeizigen Zeitplänen oder mangelnder Stamm- und Mitarbeiterqualifikation. Kalkulieren Sie lieber zusätzliche Testzeit ein und sichern Sie sich professionelle Begleitung für das Migrationstiming.

FAQ: Ihre wichtigsten Fragen zur JTL-WMS-Umstellung

Welche Hardware brauche ich konkret?

Für einen professionellen Einstieg empfehlen wir robuste Android-Handhelds (5–6" Display, z. B. Zebra TC26), passende Barcode-Scanner (Bluetooth oder USB), mindestens einen Barcodedrucker (z. B. Zebra ZD421) und eine flächendeckende WLAN-Abdeckung. Individuelle Empfehlungen finden Sie in unserem Servicebereich: /services/hardware-networking.

Wie läuft eine Inventur mit JTL-WMS ab?

Jede Lagerposition wird einzeln gescannt, dann werden alle dort befindlichen Artikel und deren Mengen mit der JTL-WMS Mobile App erfasst. Damit ist jeder Bestand eindeutig dem physischen Lagerplatz zugeordnet.

Wie lange dauert die Umstellung in der Regel?

Erfahrungswerte aus Projekten mit mittelständischen Lagern (2.000–10.000 Artikel) zeigen: Hardware-Einrichtung und Layout etwa 1 Woche, Stammdatenpflege 2–5 Tage, Vollinventur 1–4 Tage, Testphase/Go-Live 2–3 Tage. Je nach Lagergröße und Komplexität dauert die Umstellung insgesamt meist 2–3 Wochen.

Nächste Schritte: Standard-Lager auf JTL-WMS umstellen – mit Experten planen

Wenn Sie Ihr Standard-Lager auf JTL-WMS umstellen und von modernen Prozessen profitieren möchten, ist eine maßgeschneiderte Einführung die Basis für ein fehlerarmes und skalierbares Lager. Lassen Sie sich von erfahrenen Projektexperten beraten und erstellen Sie einen festen Projektplan mit transparenten Schritten.

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